Praxis

Distressed M&A: Unternehmenskauf in der Krise braucht Tempo und Sorgfalt

22.05.2026 · Dr. Anton Voigt · 7 Minuten Lesezeit

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Kategorie: Praxis

Der Verkauf eines Unternehmens oder einzelner Vermögenswerte kann in der Krise Werte erhalten. Distressed M&A verbindet jedoch hohen Zeitdruck mit besonderer rechtlicher und wirtschaftlicher Komplexität.

Verfahrensakte zum Beitrag Distressed M&A

Warum Geschwindigkeit nicht alles ist

Käufer erwarten in der Krise oft günstige Einstiegsmöglichkeiten. Gleichzeitig ist die Informationslage schwieriger als in normalen Transaktionen. Verträge, Personal, Eigentumsvorbehalte, Sicherheiten, Gewährleistung und Kundenbeziehungen müssen unter Zeitdruck geprüft werden.

Ein schneller Kauf ohne Struktur kann später teurer werden als ein langsamerer, sauber vorbereiteter Prozess.

Asset Deal und Betriebsfortführung

In Insolvenznähe steht häufig der Asset Deal im Mittelpunkt. Dabei werden ausgewählte Vermögenswerte übertragen. Entscheidend ist, welche Verträge übergehen können, welche Zustimmungen benötigt werden und wie Arbeitnehmerfragen behandelt werden.

Für die Fortführung ist außerdem wichtig, ob Lieferanten und Kunden die Transaktion akzeptieren. Eine rechtlich perfekte Struktur hilft wenig, wenn operative Schlüsselbeziehungen abbrechen.

Prozessdisziplin schafft Vertrauen

Ein strukturierter Datenraum, klare Fristen, ein belastbares Bieterverfahren und transparente Entscheidungskriterien schützen die Beteiligten. Das gilt besonders, wenn mehrere Interessenten vorhanden sind.

Distressed M&A ist damit nicht nur Transaktion, sondern Teil der Sanierungsstrategie.

Sanierungsblick in der Praxis

Für die Sanierung zählt nicht nur, ob ein Instrument theoretisch passt. Entscheidend ist, ob die Geschäftsleitung kurzfristig belastbare Zahlen, klare Zuständigkeiten und eine verständliche Linie gegenüber Banken, Lieferanten und Gesellschaftern herstellen kann. Deshalb sollte festgehalten werden, welche Annahmen zur Sanierungslage gesichert sind und welche nur als Erwartung in die Planung eingehen.

In vielen Mandaten zeigt sich, dass die ersten Arbeitstage weniger von juristischen Detailfragen geprägt sind als von Ordnung: Welche Zahlungen sind fällig, welche Forderungen sind kritisch, welche Gespräche laufen bereits und welche Zusagen wurden vielleicht nur mündlich getroffen? Für die tägliche Bearbeitung ist wichtig, dass Zahlenstand, Verantwortliche und nächste Entscheidung in der Sanierungskommunikation zusammenpassen.

Warum Aktualisierung so wichtig ist

Gerade dynamische Lagen sollten nicht zu lange mit alten Zahlen bewertet werden. Schon wenige Tage können die Prioritäten verschieben. In Sanierungsmandaten hilft es, die rechtliche Bewertung nicht von der operativen Lage zu trennen.

Deshalb sollten Planungen und interne Notizen nicht als einmalige Momentaufnahme verstanden werden. Entscheidend ist ein Prozess, der Abweichungen sichtbar macht und neue Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert. So lässt sich später besser nachvollziehen, warum in sanierungsmandaten ein bestimmter Schritt gewählt und eine andere Option zunächst zurückgestellt wurde.

Welche Unterlagen zuerst zählen

Für eine erste Einordnung der Sanierungslage zählen vor allem aktuelle Kontoauszüge, offene Posten, kurzfristige Liquiditätsplanung, wichtige Verträge und eine Übersicht zu Sicherheiten oder Vollstreckungsdruck. Die Prüfung der Sanierungslage sollte regelmäßig aktualisiert werden, weil neue Zahlungseingänge, Entscheidungen oder Rückmeldungen die Lage verändern können.

Eine geordnete Unterlagenbasis verhindert, dass Gespräche an Detailwidersprüchen hängen bleiben. Das gilt besonders, wenn mehrere Personen Zahlenstände parallel aktualisieren. Für Geschäftsleitung, Banken und Gläubiger entsteht dadurch eine gemeinsame Grundlage, auf der Gespräche weniger von Vermutungen und mehr von konkreten Zahlen geprägt sind.

Typische Fehler, die Zeit kosten

Ein häufiger Fehler ist, einzelne Zahlungseingänge zu hoch zu bewerten. Sie können kurzfristig entlasten, ersetzen aber keine Prüfung der fälligen Verbindlichkeiten und der kommenden Liquiditätswochen. Außerdem ist relevant, ob Geschäftsleitung, Banken und Gläubiger denselben Zeitraum betrachten oder über unterschiedliche Planungsstände sprechen.

Kommunikation wird belastbarer, wenn klar ist, welche Zahlen freigegeben sind und welche Annahmen noch geprüft werden. Das verhindert vorschnelle Zusagen und unnötige Eskalation. Im ersten Gespräch zur Sanierungslage sollte klar sein, welche Punkte bereits geprüft wurden und wo noch offene Annahmen bestehen.

Wie ein erster Ablauf aussehen kann

Für die erste Sortierung hilft eine Reihenfolge aus Zahlenstand, kritischen Beteiligten, vertraglichen Risiken und rechtlichen Pflichten. So bleibt die Bearbeitung nachvollziehbar. Für die weitere Bearbeitung in der Sanierungskommunikation hilft eine kurze Priorisierung: sofort kritisch, kurzfristig zu klären oder zunächst nur zu beobachten.

Diese Reihenfolge verhindert, dass Einzelthemen die Bearbeitung dominieren. Sie schafft eine Grundlage, um Optionen und Pflichten mit derselben Datenbasis zu bewerten. Die Einordnung wird greifbarer, wenn in sanierungsmandaten rechtliche Fristen, Liquidität und Kommunikation nebeneinander geprüft werden.

Kommunikation mit Beteiligten vorbereiten

Eine ruhige Kommunikationslinie hilft, wenn Unsicherheit entsteht. Wichtig sind erreichbare Ansprechpartner, ein realistischer Zeithorizont und klare Grenzen dessen, was bereits feststeht. Die Dokumentation zur Sanierungslage sollte knapp genug für den Alltag sein und trotzdem erkennen lassen, warum die Entscheidung vertretbar war.

Wer regelmäßig gefragt wird, sollte Antworten nicht jedes Mal neu formulieren müssen. Eine abgestimmte Linie spart Zeit und reduziert Missverständnisse. Wenn Geschäftsleitung, Banken und Gläubiger eingebunden sind, verhindert eine gemeinsame Liste, dass Aufgaben doppelt oder gar nicht erledigt werden.

Einordnung für die tägliche Praxis

In Sanierungsmandaten soll der Beitrag helfen, die ersten Fragen zu ordnen: Was Käufer, Verkäufer und Verfahrensbeteiligte bei Transaktionen in Krisensituationen beachten sollten. Belastbar wird die Einordnung erst, wenn Zahlenstand, Verantwortliche und nächster Entscheidungspunkt zusammenpassen. Auf dieser Grundlage lassen sich Risiken, Gespräche und Fristen ruhiger priorisieren.

In Sanierungsmandaten ist eine gemeinsame Tatsachenbasis oft wichtiger als lange Einzeldiskussionen. Sie macht sichtbar, wer was bis wann prüft und welche Unterlagen dafür benötigt werden.

Kommentare

2 Kommentare
Britta Kruse

Der operative Blick auf Kunden und Lieferanten fehlt in vielen M&A-Checklisten. Ein Beispiel mit offenen Rechnungen und Kontostand würde mir an der Stelle noch helfen.

Eva Schramm

Guter Einstieg, gern mehr zu Betriebsübergang. Die Reihenfolge der ersten Schritte entscheidet oft mehr als das schönste Konzept.

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